Die Infernale ist eine Plattform für junge Künstler, die sich kreativ mit dem Thema Endzeit und Apokalypse auseinandersetzen. Der Ausdrucksform sind dabei keine formellen Grenzen gesetzt, es geht jedoch darum, Ideen zu konzentrieren und ihren wesentlichen Bestandteil herauszuarbeiten.

In der postmodernen Gesellschaft ist der Zerfall des Gemeinwesens, also der Verlust gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsbewusstseins, die Desillusion über verbrauchte Gesellschaftsentwürfe und der Rückzug ins Private angesichts fehlender glaubwürdiger Handlungsoptionen in vollem Gange. Immer mehr sind Menschen heutzutage allein auf ihre individuellen Fähigkeiten angewiesen, um sich in einem kompetitiven Umfeld, dass Erfolg als oberstes Mantra einer Leistungsgesellschaft versteht, durchzusetzen. Dies führt vermehrt zu Orientierungslosigkeit, da weder die Philosophie, politische Bewegung, Religion, Staat oder Presse einen überzeugenden Wertekanon zu vermitteln in der Lage sind. Man kann zwar heute alles machen, aber es gibt viel weniger Anhaltspunkte, sich bewusst für etwas zu entscheiden. In der Folge zieht der auf sich gestellte Mensch sich aus der Öffentlichkeit zurück und fühlt sich nicht länger für das Wohlergehen der Menschen jenseits eines sozialen Nukleus, des Verwandten- und Freundeskreis, verantwortlich. Dies alles wird begleitet von der fortschreitenden Digitalisierung der sozialen Prozesse mittels immer komplexer werdender Technologie, die wir selbstverständlich nutzen, ohne sie jedoch vollständig verstanden zu haben, einhergehend mit einer wachsenden Abhängigkeit von diesen Technologien. Auch diese nährt unser Misstrauen gegenüber diese Welt zusätzlich. "Wir nähern uns schnell einer Zukunft, in der jeder Schritt, jede Transaktion, unsere gesamte Kommunikation verfolgt wird und gegen uns gewendet werden kann", sagt Barry Steinhardt von der American Civil Liberties Union und spricht damit eine der großen Gefahren der weltweiten Vernetzung an.

Hier setzt die Infernale an, denn apokalyptische Visionen, sei es in der bildenden Kunst, der Musik oder im Film, sind eine Zuspitzung solcher Zustände. Das Gemeinwesen zerfällt durch die Apokalypse in ihrer krassesten Form, sei es durch den akuten Überlebenskampf um die letzten Ressourcen, Anarchie oder allgegenwärtigen moralischen und gesellschaftlichen Verfall. Diese Dystopien führen in der Regel krasse Fehlentwicklungen unserer Gegenwart fort. Insofern möchte die Infernale das Bewusstsein der Zuschauer für dieses Thema weiterentwickeln, indem es zum nachdenken, diskutieren und handeln anregt. Bewusst wird nicht der Versuch unternommen, das Festival gesellschafts-politisch zu färben, sondern im Rahmen, vielleicht abstrakter, künstlerischer Interpretationen zu lassen. Aus dieser Neutralität heraus gelingt es besser, das Bewusstsein zu schärfen, ohne dogmatisch oder prätentiös zu werden.

Darüber hinaus soll die Infernale natürlich Spaß machen und ein gemeinschaftliches Erlebnis sein, dass interaktiven Charakter zu seinen Besuchern pflegt. Nicht zu vergessen, mündet die Infernale in einer Endzeitparty, die katalytisch den Weltuntergang in positive Energie umwandelt.

Zur Geschichte der Infernale...
Im Jahr 2006 entstand die Idee eines Endzeitfilmfestivals mit Eventcharakter. An drei Tagen wurde eine komplette Wohnung in eine Art Endzeithauptquartier verwandelt, inklusive Video- und Lichtinstallationen. Ein eigens produzierter Trailer beginnt die Geschichte von Sergej Rybakov (http://uk.youtube.com/watch?v=VPw9LMHI0U8), dem letzten Überlebenden der Menschheit. Durch den Erfolg und dem Spaß des Vorjahres motiviert, gab es 2007 eine Fortsetzung der Infernale im EinBauMöbel und im Venster99 in Wien. Die Geschichte von Sergej wird weitererzählt (http://uk.youtube.com/watch?v=44v-e4nAkMU), außerdem eine Wabisabi-Fotoaustellung, sowie ausgestellte Skulpturen und Filme. Im Jahr 2008 soll die Infernale den nächsten Evolutionsschritt vollziehen: Von einem Film- zum Programmfestival mit der Kollaboration jünger Künstler, die die Infernale mit Leben einhauchen.